Geschichte

Geschichtlicher Hintergrund                                                                                      Karate ist eine Kampfkunst, die über Jahrhunderte hinweg im Geheimen geübt. Informationen über die Frühgeschichte des Karate finden sich zum größten Teil in mündlichen Überlieferungen, die erst im Nachhinein aufgezeichnet wurden. Mit Sicherheit lassen sich aber die Ursprünge des  Karate bis nach China und Okinawa verfolgen. Tatsächlich gehen einige Kampfkunsthistoriker  davon aus, dass das chinesische Shaolin-Kloster als Wiege der asiatischen Kampfkünste bezeichnet werden kann, von wo aus sie sich im asiatischen Raum verbreiteten.

Von Besonderer Bedeutung für das heutige Karate war die Insel Okinawa. Diese Insel liegt zwischen Japan und China. Ab dem 12. Jhdt. unterhielten China und Okinawa offizielle Beziehungen. Chinesische Gesandte, unter denen auch viele Experten der chinesischen Kampfkünste waren, ließen sich auf Okinawa nieder und später reisten ebenso okinawanische Gesandte nach China. So kam es zu einem regen Austausch, auch in dem Bereich der Kampfkünste.

Schon vor dem Kontakt mit China gab es auf Okinawa ein eigenständiges Kampfsystem der Selbstverteidigung, vermutlich als Konsequenz aus dem ersten Waffenverbot (1479), das einfach nur Te (Hand/Technik) genannt wurde. So koexistierten verschiedene chinesische und okinawanische Kampfkunstgemeinschaften nebeneinander.

1609 fiel der japanische Satsuma-Clan auf Okinawa ein, besetzte es und beanspruchte die Vorherrschaft über die gesamten Ryu-Kyu-Inseln, zu denen auch Okinawa zählte. Es folgte ein zweites Waffenverbot, das streng überwacht wurde und bei Missachtung tödliche Strafen nach sich zog.  1629 vereinigten viele der verschieden Kampfkunstgemeinschaften zu einer gemeinsamen Front gegen die japanischen Besatzer. Sie trafen sich im Geheimen und so entwickelte sich aus der Kombination der chinesischen und okinawanischen Stile ein neuer Kampfstil der einfach nur Te (= Hand)oder Okinawa-Te (Hand aus Okinawa) oder Kara-Te (Hand aus China) genannt wurde.

Gichin Funakoshi schreibt in seinem Buch Karate-Do. Mein Weg hierzu:

Es war zuerst als Okinawa.te bekannt, und ich erinnere mich, daß ich meine Eltern sowohl von Okinawa-te als auch von Kara-te reden hörte. (Das „Kara“ bedeutete in diesem Fall „China“)“. (Funakoshi, 83, 47)

Gichin Funakoshi wird häufig als „Vater des modernen Karate“ bezeichnet. Er wurde 1886 auf Okinawa geboren und begann mit 6 Jahren unter den zwei Meistern Azato und Itosu Okinawa-Te zu lernen.

Um 1905 tauchte erstmals die Bezeichnung „Leere Hand“ für Kara-TE, an Stelle von „Hand aus China/China-Hand) auf. Funakoshi wird die Verbreitung dieser modernen Bezeichnung in den dreißiger Jahren des 19. Jhdt. zugeschrieben.

Heute beinhaltet das Karate viele verschiedene Stile, von denen einige nachstehend aufgeführt werden. Die in den Klammern stehenden Namen bezeichnen die Lehrer, die für die Verbreitung bzw. die Gründung verantwortlich waren

 

  • Shotokan (Funakoshi)
  • Shito-Ryu (Mabuni)
  • Wado-Ryu (Ohtsuka)
  • Gojo-Ryu (Miyagi)
  • Kyokushinkai (Oyama)

 

Im Laufe der Jahre gründete jeder dieser Stile seine eigenen nationalen und internationalen Verbände. Als Breiten- und Wettkampfsport fand verbreitet sich Karate sehr schnell in der ganzen Welt.

Quellen:

Binhack, A./Karamitsos, E. (1992), Karate-Do, Philosophie in der Bewegung, Wiesbaden

Lind, W. (1991), Die Tradition des Karate, Leimen

Funakoshi, G. (1982), Karate-Do. Mein Weg. Tokyo/Weidenthal

Schönberger (1992), Karate. Ursprünge, geschichtliche Entwicklung und Tradition einer fernöstlichen Kampfkunst, Frankfurt

 

Literaturempfehlungen:

  • Die klassische Kata. Geistige Herkunft und Praxis des traditionellen Karate. (Werner Lind)
  • Das Lexikon der Kampfkünste (Werner Lind)
  • Karate Grundlagen. Kihon-Kumite-Kata (Werner Lind)
  • 27 Shotokan Katas (Albrecht Pflüger)
  • Kumite. Karate Partner-Kampfübungen für Prüfungen, Wettkämpfe und Selbstverteidigung (Albrecht Pflüger